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update 05.02.2012

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Schlepperfreunde Wolthausen

15 Jahre Schlepperfreunde Wolthausen

Mit dem Trecker in Urlaub

Trecker sammeln und restaurieren ist für Hermann Schmidt und die Schlepperfreunde in Wolthausen ein schönes Hobby, mit dem viel Zeit verbracht werden kann – und das auch einiges kostet. Seit 1992 schrauben die Wolthäuser an ihren mindestens 25 Jahre alten Landmaschinen und sind jedes Mal zufrieden, wenn die Fahrzeuge nach schwierigen Reparaturen dann wieder laufen. Das sei „echtes Gänsehaut-Feeling“, findet Hermann Schmidt, der bei den Schlepperfreunden Wolthausen „Obermeister“ ist. Beim Herbstmarkt in Winsen zeigen die Schlepperfreunde traditionell zum Saisonschluss ihre schmucken Arbeitsgeräte, bevor die Winterpause beginnt.

HermannCZ

Typ: Hermann Schmidt

Trecker sammeln und restaurieren ist für Hermann Schmidt und die Schlepperfreunde in Wolthausen ein schönes Hobby, mit dem viel Zeit verbracht werden kann – und das auch einiges Geld kostet. Seit 1992 schrauben die Wolthäuser an ihren mindestens 25 Jahre alten Landmaschinen und sind jedes Mal zufrieden, wenn die Fahrzeuge nach schwierigen Reparaturen dann wieder laufen. Das sei „echtes Gänsehaut-Feeling“, findet Hermann Schmidt, der bei den Schlepperfreunden Wolthausen „Obermeister“ ist. Beim Herbstmarkt in Winsen zeigen die Schlepperfreunde traditionell zum Saisonschluss ihre schmucken Arbeitsgeräte, bevor die Winterpause beginnt. 

Von Lothar H. Bluhm

WOLTHAUSEN. Das trockene Kiefernholz knistert im Kamin und sorgt schon am Vormittag für eine besondere Atmosphäre in Schmidts Wohnzimmer. Hermann und Elke Schmidt haben sich ihr Fachwerkhaus in den letzten zwei Jahren nach eigenen Plänen und Vorstellungen in Wolthausen gebaut und sind zufrieden über den Verlauf der Arbeiten. „Na klar, wir müssen noch ein paar Lampen kaufen und anbringen“, stellen beide am Frühstückstisch in dem hellen Raum mit der großen Terrassentür fest, aber das seien doch Kleinigkeiten. Nun müssen erstmal die Kartons mit den Schokoküssen für das Kinderfest der Feuerwehr verstaut werden. Für die Wolthäuser Feuerwehr engagieren sich beide.

Nein, die Bedingungen der Wettbewerbe für Feuerwehren seien jetzt nicht mehr das, was sie mal waren, bedauert Hermann Schmidt, der über 26 Jahre Gerätewart und aktiver Maschinist in seiner Wehr war. Darum habe das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr Wolthausen kürzlich beschlossen, sich nicht mehr an Leistungswettkämpfen zu beteiligen. Und das, nachdem die Wolthäuser auf Kreis-, Bezirks- und auch auf Landesebene immer Spitzenplätze erreicht haben.

Der echte Brandschutz behalte für die Feuerwehrkameraden aber oberste Priorität, ist Schmidt ganz sicher. Sohn Henning hat jetzt den Job des Gerätewartes von Vater Hermann übernommen. Für den bedeutet das, dass er wieder etwas mehr Zeit für sein Hobby hat.

„Der Trend geht zum Dritttrecker“, scherzt Hermann Schmidt auf der Homepage der Schlepperfreunde Wolthausen. Damit trifft er aber schon den Kern der Interessen der rund zwanzig Wolthäuser Freunde alter Landmaschinen. Denn die nehmen etwa 25 Trecker mit auf Tour, wenn sie zu Oldtimertreffen fahren und ihre Gerätschaften zeigen. Und das machen sie gern. 25 Jahre sollten die Schlepper allerdings schon alt sein, damit sie mittuckern dürfen, zu Treffen und Ausstellungen.

Hermannsburg, Wietzendorf, Hösseringen, Schwarmstedt, Vethem, Celle und Winsen sind Orte, zu denen die Schlepperfreunde in diesem Jahr gefahren sind. Kartoffelfeste, Herbstmärkte, Oldtimertreffen. „Ein besonderes Highlight war die Reise zum Sachsen-Anhalt-Tag 2007 nach Erxleben“, erinnert sich Schmidt an die Reise. Immerhin ist Erxleben rund 170 Kilometer weit weg. Zwei Tage habe die Hinreise und zwei Tage habe die Rückreise jeweils gedauert. Mit Bauwagen zum Schlafen und Camping-Anhängern sei die Truppe angereist und hatte viel Spaß beim Feiertag im Nachbarland. Technische Probleme gab es nicht: „Nur der Tieflader hatte auf der Rückfahrt kurz vor zu Hause einen Reifenplatzer.“ Da musste der transportierte MBA-Trecker abgeladen und nach Reifenwechsel neu auf die Ladefläche gefahren werden. „Aber es macht einfach Spaß, wenn die ganze Familie zu den Treckertreffen mitfährt“, legt Schmidt großen Wert auf die Kommunikation.

„Wenn wir im Sommer Gäste haben, fahren wir auch schon mal alle mit dem Trecker nach Winsen zum Eisessen“, ergänzt Elke Schmidt. Es sei dann immer ein echter Hingucker, wenn alle vor der Eisdiele von dem grüngelben Fendt-Geräteträger absteigen.

1992 gründete sich die Interessengemeinschaft der Schlepperfreunde Wolthausen. „Wir sind eine Gruppe Gleichgesinnter, die Spaß an alten Treckern und Maschinen haben“, schildert Obermeister Schmidt die Motive der Wolthäuser und zieht sich seine dunkelblaue Steppjacke mit dem großen Emblem der Interessengemeinschaft auf dem Rücken über: „Hermann – Obermeister“ wurde auf die Vorderseite gestickt. „Nein, da muss ich auch meine Mütze aufsetzen“, korrigiert Schmidt sein Schlepper-Outfit kurz vorm Verlassen des Hauses. „Viele Trecker sind restauriert und sehen aus wie neu. Sie sehen aus, als würden sie gerade aus dem Werk kommen“, erfreut sich Schmidt an den Fahrzeugen. Einige müssten aber auch noch arbeiten, „stehen in Lohn und Brot“, wie Schmidt sagt. Und er zählt die Schlepper auf, die die Wolthäuser zusammen getragen haben: Fendt-Geräteträger, IHC D 439, Hanomag R 40, Deutz, Lanz, MAN, Kramer und der MBA: „Der ist Baujahr 1941 und fährt sechs Kilometer pro Stunde“, zeigt Schmidt stolz auf sein schwarzes Schmuckstück mit dem knallroten Auspuff. „Für diesen Trecker gibt es gar nichts mehr. Es gibt ja insgesamt nur noch 30 Stück.“ Der wurde seinerzeit von der Maschinenbau- und Bahnbedarfs-AG in Nordhausen am Harz gebaut. – Daher auch die Bezeichnung MBA.

Natürlich zieht der MBA bei Ausstellungen alle Blicke auf sich: „Das tut schon gut, wenn ich den Trecker dann mit der Kurbel anwerfe und das Publikum begeistert applaudiert…“ Da sei es dann wieder, das Gänsehautfeeling. - Kein Wunder, dass der MBA auch schon auf dem Titelblatt der Fachzeitschrift „Schlepperpost“ zu sehen war.

Dennoch sei es aber ein Phänomen, dass ausgerechnet der Hanomag R 324 S, mit dem Schmidt täglich zu Hause rumjuckelt und Holz macht, der also wirklich nichts Besonderes sei, bei Präsentationen immer von Sehleuten umlagert ist. „Es muss vielleicht doch an dem Namen liegen und daran, dass es die Firma in Hannover ja schon lange nicht mehr gibt“, spekuliert der Eigentümer. Vielleicht liegt es auch an der Patina, die das Fahrzeug inzwischen trägt.

Natürlich können die Schmidts auch beim Dänemark-Urlaub nicht völlig abschalten, wenn sie in dem nördlichen Nachbarland alte Schlepper im Einsatz oder versteckt in einer Scheune stehen sehen: „Da guckt man dann schon mal ganz gerne“, drückt Schmidt sein großes Interesse aus. „Die Dänen sammeln auch ganz gerne“, schließlich sei der Virus in ganz Europa verbreitet. Kürzlich habe er selbst aus Chile eine E-Mail über die Homepage der Schlepperfreunde erhalten.

Bitterböse Briefe haben die Schlepperfreunde allerdings bekommen, als die auf dem Kinderspielplatz in der Ortsmitte einen ausgeschlachteten Deutz-Trecker als Spielgerät hergerichtet haben. „Mit TÜV, GUV und allem“, weist Schmidt auf die hohen Sicherheitsvorkehrungen hin. Aber auswärtige Treckerfreunde hätten lauthals kritisiert, wie man einen „so schönen Deutz-Schlepper“ als Kinderspielgerät missbrauchen könne. Das sei doch viel zu schade, das täte doch weh, bedauern sie. „Dabei war mit dem Trecker wirklich nichts mehr los“, versichert der Obermeister der Schlepperfreunde. Da könne man ganz sicher sein.

Momentan sucht Hermann Schmidt krampfhaft eine Sitzschale mit 20 Zentimeter hohem Rückenteil für seinen Fendt-Schlepper. „Die find ich nirgendwo“, klingt es fast ein wenig resignierend und Schmidt sieht sich schon weiterhin auf seinem alten Sitz durch die Gegend tuckern. Doch er gibt nicht auf: Internet, Fachzeitungen, Inserate, Teilemärkte, Treckertreffen. Für sein Hobby macht er (fast) alles. „Viele Teile werden aber einfach nicht mehr gebaut“, bedauert der Fachmann, der mit Treckern und Schleppern groß geworden ist. Schon als Kind hat er auf dem Betrieb seiner Eltern geholfen. Als Sechsjähriger fuhr er den Trecker zur Kartoffelernte von Sack zu Sack. „Eigentlich konnte ich schon Trecker fahren, bevor ich laufen konnte…“, scherzt der Obermeister.

Ach ja, und noch etwas sucht Schmidt jetzt händeringend: Einen Kindersitz für einen Trecker: Schließlich soll die zehn Wochen alte Enkeltochter Lorena frühzeitig an die Technik herangeführt werden – und an das Plattdeutsche: „Ich spreche mit Lorena nur platt“, hat sich der 55-Jährige das Ziel gesetzt, der kleinen Wolthäuserin plattdeutsch beizubringen: „Was mir bei meinen eigenen Kindern nicht gelungen ist…“